INFORMATIONSBROSCHÜRE FÜR PATIENTEN MIT EINEM GEFÄSSZUGANG ZUR HÄMODIALYSE

Was ist eine Fistel ?

Eine Fistel ist eine Verbindung zwischen einer Arterie und Vene. Sie wird benötigt, um eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) im Rahmen der Nierenerkrankung durchführen zu können. Die natürlichen Gefäße des Menschen sind nicht dafür geeignet, große Blutmengen zu fördern, daher wird eine Fistel benötigt. Eine gut funktionierende Fistel ist die wichtigste Voraussetzung für einen optimalen Therapieerfolg.

Es gibt 3 Möglichkeiten

Erste Möglichkeit: Die “natürliche Fistel”

Im Idealfall werden körpereigene Gefäße verwendet, die in verschiedensten Arten und Bereichen von unseren Gefäßchirurgen verwendet werden (Unterarm, Oberarm, Oberschenkel). In einer kleinen Operation wird in einer speziellen Operationstechnik die Arterie an eine Vene angeschlossen. Diesen Bereich des Anschlusses nennt man dann „Anastomose“.

Zweite Möglichkeit: Die “künstliche Fistel”

Falls kein natürliches Gefäß geeignet ist, greift unser Gefäßchirurg auf eine künstliche Prothese zurück, eine sogenannte Gore-Tex-Prothese (ePTFE).

Bis eine Fistel voll funktionsfähig ist, d.h. die Vene für uns punktierbar wird, vergehen unter normalen Umständen ca. 4 – 8 Wochen. Diese Zeit wollen wir Ihrer Fistel auch gönnen, um eine erfolgreiche Punktion durchführen zu können. Je nach Ihrem Krankheitsverlauf kann es daher nötig sein, dass Sie in den ersten Wochen mit einem getunnelten Vorhofkatheter versorgt werden, der nach der Reifungszeit der Fistel wieder entfernt wird.

Dritte Möglichkeit: „Getunnelter Vorhofkatheter“ und „Shaldon“

Unter bestimmten Umständen muss eine Dialyse zeitnah durchgeführt werden. Bis wir die Fistel benutzen können, haben unsere Gefäßchirurgen die Möglichkeit, Ihnen einen Vorhofkatheter in ihre Gefässe zu implantieren. In Notfallsituationen kann ein Shaldon Katheter gesetzt werden, um die Dialyse durchzuführen. Später wird dieser durch einen getunnelten Vorhofkatheter oder den Shunt ersetzt.

Shaldon-Katheter

  • Für die Notfallsituation
  • Nur während stationärem Aufenthalt
  • Kein Langzeit Katheter
  • Wird unter lokaler Betäubung gesetzt

Getunnelter Vorhofkatheter

  • Verweilkatheter
  • Erlaubt ambulante Dialysebhandlungen
  • Operation durch einen Gefäßchirurgen

Was muss ich nach der Katheteranlage beachten?

  • Die ersten zehn Tage nach der Katheteranlage duschen nur nach Rücksprache mit dem Dialysepersonal.
  • Die ersten 14 Tage nicht schwer heben.
  • Den Katheterverband nicht öffnen.
  • Im Bereich des Katheters keine Rasur vornehmen.
  • Wenn ihr Verband verschmutzt (gelbe oder andere Flüssigkeit), nass oder mit Blutflecken behaftet ist, benachrichtigen Sie uns sofort.

Erstpunktion

Dialysepatienten sind sehr oft ängstlich was die Fistelpunktion betrifft. Seien Sie nicht besorgt : dank der Erfahrungen des Pflegepersonals finden wir die bestmöglichen Lösungen für Sie.

Wir können Ihren mehrere Lösungen anbieten, um den Punktionsschmerz zu reduzieren:

  • Die Haut betäubende Schmerzplaster „Emla”
  • Kältespray
  • Ablenkung durch Gespräche
  • Hypnose
  • Atemtechniken.

Nach der ersten Dialyse wird das Pflegepersonal die Punktionsstelle für 20-30 Minuten komprimieren. Dann werden Sie dies selbst machen, nach Anleitung und unter Aufsicht des Pflegepersonals.

Folgende Punkte sollten Sie beachten :

  • Informieren Sie die Krankenschwestern und Krankenpfleger wenn Sie am Fisteltarm oder an der Hand Empfindungsdifferenzen haben (Kribbeln,Kälteempfinden).
  • Den Fisteltarm immer schützen: bei Arbeiten oder Gartenarbeit.. lange Ärmel bevorzugen, Sonnencreme benützen. Sonnenbrand vermeiden.
  • Pflaster frühestens nach 8 Stunden entfernen.
  • Bei Nachbluten, keine Panik. Mit einer sterilen Kompresse abdrücken und uns das nächste Mal informieren.
  • Für alle nötigen Verbandsmaterialien erhalten Sie von uns ein Rezept (Pflaster, Emla patch…..)

Wenn die Blutung weiterhin besteht, drücken Sie weiter ab und rufen Sie uns sofort an. Die Telefonnummern befinden sich auf der letzten Seite dieser Broschüre.

Fisteltraining

Das Vorhandensein einer Fistel führt zu einem erhöhten Druck in der Vene. Wir zeigen Ihnen Übungen, die helfen, den Durchmesser der Fistel zu vergrössern und die Venenwand zu verdicken.

  • Gönnen Sie Ihrem Arm nach der OP etwas Ruhe.
  • Unterstützen Sie die Ausbildung kräftiger Venen in den nächsten Wochen, durch ein Drucktraining (2-3 mal täglich) mittels einem weichen Ball, den Sie von uns nach Ihrer OP erhalten. Mit diesem Ball in der Hand können Sie zum Beispiel beim Fernsehen üben.
  • Versuchen Sie mehrmals täglich, Ihren Oberarm mit leichtem Druck 5 Sekunden und 10 mal hinter einander abzudrücken. (Stauungstraining). Dies erhöht den Druck und somit das Volumen des Shunts.

Was muss ich meinem Fistel-Arm betreffend beachten?

UM EINE INFEKTION ZU VERMEIDEN

  • Schützen Sie den Arm vor möglicher Verschmutzung.
  • Informieren Sie das Gesundheitspersonal außerhalb der Dialyse den Fisteltarm nicht zu punktieren.
  • Testen Sie sämtliche Kosmetika an einer kleinen Stelle am Arm um Unverträglichkeiten zu vermeiden.
  • Waschen Sie den Fistelarm zuhause bevor Sie in die Dialyse kommen.„Empfohlen von SF2H (societe francaise d’hygiene hospitaliere), bonne pratiques d’hygiene en hémodialyse“.

UM BLUTUNGEN ZU VERMEIDEN

  • Krusten der letzten Einstichstellen nicht entfernen

UM EINEN GUTEN BLUTFLUSS ZU ERHALTEN

  • Keine Uhr und kein Armband am Shuntarm tragen
  • Keinen Druckverband anlegen
  • Keinen Blutdruck am Shuntarm messen
  • Vermeiden, auf dem Arm zu schlafen
  • Keine enge Kleidung am Shuntarm tragen

UM DEN ARM ZU SCHÜTZEN UND VERLETZUNGEN ZU VERMEIDEN

  • Keine direkte Sonneneinstrahlung (Arm bedecken, Sonnencreme verwenden)
  • Schutzkleidung anziehen, um den Shuntarm vor eventuellen Verletzungen zu schützen (bei Gartenarbeit oder handwerklichen Tätigkeiten)
  • Arm gelegentlich hochlegen (beim Fernsehen, im Bett…)

UM DIE FEUCHTIGKEIT UND ELASTIZITAT DER HAUT ZU ERHALTEN

  • Zwischen den Dialysetagen die Haut mit einer neutralen, feuchtigkeitspendenden Creme einreiben, vorher auf Verträglichkeit testen

Tägliche Fistelkontrolle

  • Auge : Bitte schauen Sie täglich, ob Sie eine ungewöhnliche Schwellung, Rötung oder Verfärbung an Ihrem Fisteltarm beobachten
  • Ohr : Hören Sie täglich, ob Sie das typische Rauschen hören. (Schwirren)
  • Finger : Bitte fühlen Sie täglich mit einem Finger an der Anastomose, ob sie das typische Rauschen spüren. (Schwirren) (Das zeigen wir Ihnen)
  • Verstand : Damit meinen wir, dass Sie sich bei einer ungewohnten Veränderung Ihres Shunts mit uns in Verbindung setzen.

Zum Schluss noch folgender Hinweis

Sollten Sie in den nächsten Wochen/Monaten den Willen und das Bedürfnis verspüren, mehr für Ihre eigene Dialyse zu tun, können wir Ihnen anbieten, dass Sie unter Anleitung Ihre Maschine selbst aufbauen und Sie sich selbstständig anschliessen können. In einem zweiten Schritt könnten Sie sich auf Wunsch auch selbst punktieren.

Das wirkt für Sie vielleicht noch sehr befremdend, aber wir möchten Ihnen diese Möglichkeiten nennen und Sie können uns bei Bedarf sehr gerne darauf ansprechen.

Ihre Vorteile der Auto-Dialyse

  • Abbau/Minderung von Ängsten und Schmerzen
  • intensiverer Umgang mit Ihrem Zugang
  • mehr Selbstsicherheit
  • Unabhängig sein (Autonomie)
  • „Selbst etwas für meine Krankheit tun“
  • das Pflegepersonal unterstützen

Unsere Öffnungszeiten:

  • Montag bis Samstag 06:00 bis 23:30 Uhr Hôpital Kirchberg
  • Montag-Samstag 06:00 Uhr bis 21:45 Uhr Zithaklinik

Unsere Telefonnummer:

Ausserhalb der Dialyseöffnungszeiten haben wir einen GEMEINSAMEN
Bereitschaftsdienst im Hopital Kirchberg

Diesen erreichen Sie über die Zentrale 2468-1 (Sie werden dann weiter verbunden)
Über die Station 5b: 2468-6520 (erreichbar 24h/24h, 7 Tage/Woche)

Unser nephrologisches Team :

  • Prof. Dr. Claude Braun
  • Dr. Aduccio Bellucci
  • Dr Tom Buck
  • Dr. Hassan Hadji
  • Dr. Stephen Zewinger
  • Dr. Caroline Scheifer